Position Bündnis 90/Die Grünen Grefrath zum Sozialbericht des Kreis Viersen 2014

Erstmals hat der Kreis Viersen einen eigenen Sozialbericht herausgegeben. Der Sozialdezernent des Kreises bezeichnet den Bericht als Grundlage für die Sozialplanung. Grund genug, sich insbesondere die Daten aus unserer Gemeinde genauer anzuschauen.

Im Bereich der Altersstruktur hat die Gemeinde Grefrath den höchsten Anteil der über 65jährigen an der Bevölkerung im gesamten Kreis. Damit einher geht auch der höchste Alt-Jung-Quotient von allen Städten und Gemeinden im Kreis Viersen. Der Alt-Jung-Quotient ist ein Maß für die Altersstruktur der Gemeinde, der die jungen und älteren Altersgruppen in direkten Bezug setzt. Bei einem Zahlenwert über 100 sind Senioren (über 65 Jahre) quantitativ stärker in einem Gebiet vertreten als Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren).

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Das mit dieser Entwicklung auch massive gesellschaftliche Veränderungen vonstatten gehen, ist evident. Aber selbst im Sozialbericht wird im Bezug auf den Kreis Viersen von der „Problematik einer überalternden Bevölkerung“ (S.26) gesprochen. Hier wäre es aus unserer Sicht auch zielführender gewesen, den gesellschaftlichen Umbruch als Chance zu sehen. Einher geht die Überalterung mit einer hohen Abwanderungsquote bei jungen Personen. „Besonders bei den 18- bis unter 25jährigen ist ein negativer Saldo zwischen Zuzug und Abwanderung deutlich zu erkennen“.

Mit Hinsicht auf Menschen mit Migrationshintergrund hat Grefrath den niedrigsten Wert im gesamten Kreis. Mit einem Anteil von 10,2 % an der Gesamtbevölkerung liegen wir auch weit unter dem NRW Schnitt. Gemessen an der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, weist Grefrath eine Einbürgerungsquote auf, die im unteren Mittelfeld angesiedelt ist, aber auch weit unter dem Kreisdurchschnitt liegt. Ob hieraus das fehlende Vorhandensein einer Willkommenskultur abgelesen werden kann, ist fraglich. Es muss im Bezug auf diese Zahlen natürlich angemerkt werden, dass diese aus dem Jahr 2011 stammen und somit nicht die aktuellen Verhältnisse widerspiegeln. Auch beim Ausländeranteil hat Grefrath mit 4,3 % den niedrigsten Wert. Der Schnitt im Kreis Viersen liegt bei 7 %, der des Landes NRW liegt bei 9,5 %.

Bezugnehmend zur Gesamtbevölkerung hat Grefrath den niedrigsten Wert an Bedarfsgemeinschaften im gesamten Kreis. Auch im Bereich der alleinerziehenden erwerbsfähigen Leistungsbezieher*innen ist Grefrath mit 14,19 % unter dem Kreisdurchschnitt. Nur Schwalmtal hat hier mit 13,44% einen niedrigeren Wert. Der Anteil der Ausländer im Bereich der erwerbsfähigen Leistungsbezieher ist in Grefrath mit 10,76 % nicht nur weit unter dem Kreisdurchschnitt, sondern hat hier auch den niedrigsten Wert im gesamten Kreis. Zum Vergleich, den höchsten Wert hat Nettetal mit 21,73 %. Betrachtet man die erwerbsfähigen Leistungsbezieher genauer, stellt man fest, dass Grefrath insbesondere im Bereich der Mittleren Reife (17,65%) und Fachhochschulreife (5,88%) jeweils über dem Kreisschnitt liegt. Erfreulich ist darüber hinaus, dass Grefrath den niedrigsten Wert an Schulabgängern ohne Abschluss im Jahr 2012 im gesamtem Kreis aufweist. Auch hier ist bis auf das Jahr 2011 immer ein unterdurchschnittlicher Wert zu verzeichnen. Bei der Betrachtung der erwerbsfähigen Leistungsbezieher bezüglich des Vorhandenseins einer Berufsausbildung ist es auf der einen Seite erfreulich, dass Grefrath hier mit 55,73 % den niedrigsten Wert an Arbeitslosen ohne Berufsausbildung im gesamten Kreis aufweist, auf der anderen Seite jedoch haben wir mit 40,87 % den höchsten Wert an Arbeitslosen mit Berufsausbildung. Hier liegt auch der Kreisdurchschnitt nur bei 32 %. In diesem Zusammenhang wird im Sozialbericht die Initiative „AusBildung wird was“ verwiesen, bei der junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren bei der Nachholung eines beruflichen Ausbildungsabschlusses unterstützt werden. Profitiert auch die Gemeinde Grefrath von dieser Initiative? Es ist besonders in einer eher ländlich geprägten Kommune wie der Gemeinde Grefrath entscheidend, ob Ausbildungsplätze vor Ort vorhanden sind. Gibt es diese Plätze nicht, steigt als logische Schlussfolgerung die Zahl der Auspendler und mit Hinsicht auf die Jugendlichen die Zahl derjenigen, die abwandern. „Gerade weil der Kreis selbst über keine Hochschule verfügt, wäre es auch hinsichtlich der Abwanderungsrate von Schulabgängern wünschenswert, wenn studierwillige junge Leute vielleicht doch von einer Berufsausbildung im Kreisgebiet überzeugt werden können“. Ergänzend dazu erlaubt die Anzahl der Arbeitslosen bzw. Arbeitssuchenden auch Rückschlüsse auf die Wirtschaftskraft der Region. Das Einkommen, bzw. das fehlende Einkommen, bestimmt die soziale Lage und definiert ob eine Region ein attraktiver Wohnstandort ist.

Beim Anteil von Schwerbehinderten an der Gesamtbevölkerung zeigt die Gemeinde Grefrath nach Viersen den zweithöchsten Wert auf. Bei der Betrachtung der Pendlerquote weisen vier kreisangehörigen Kommunen eine Auspendlerquote von über 70 % auf. Die Gemeinde Grefrath hat hier 71,2 %, der Kreisschnitt beträgt 62,1 %. Auch bei der Einpendlerquote liegt Grefrath über dem Kreisschnitt. Daraus lässt sich folgern, dass Grefrath sowohl als Wohnstandort attraktiv ist, als auch als Arbeitsort. Welche negativen Sondereffekte durch Betriebsschließungen auf die Gemeinde zukommen bleibt abzuwarten. Bei der Erreichbarkeit der Autobahnen haben Tönisvorst (9,6 Minuten) und Grefrath (9,0 Minuten) vergleichsweise „lange“ Fahrzeiten.

In der Gegenüberstellung der Abgangsquote im Bereich der Hochschulreife, belegt die Gemeinde Grefrath die Spitzenposition im Kreis Viersen. 76 % aller Schüler*innen machen Abitur. Zum Vergleich: Der Kreis Viersen hat eine Quote von 49,1 %. Im Land NRW verlassen 46,2 % die Schule mit dem Abitur. Bei den verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte je Einwohner liegt Grefrath mit 19.900 Euro vor Viersen mit 19.577 Euro auf dem vorletzten Platz. Auch bei den Einkünfte steuerpflichtiger Personen liegt die Gemeinde mit 31.239 Euro unter dem Kreisschnitt.

Hinsichtlich des Körpergewichts von Einschülern zwischen 5 und 7 Jahren nennt das Robert-Koch-Institut für Deutschland die Zahl von 9 % übergewichtiger Kinder. Dies deckt sich zwar mit dem Kreisdurchschnitt von 9,37%. In NRW sind jedoch 10,81 % der Einschüler als übergewichtig eingestuft. Unsere Gemeinde Grefrath schlägt hier dagegen alle Werte und hat mit 14,17 % den Spitzenwert aller Kommunen im Kreis Viersen und das als Sport- und Freizeitgemeinde. Hier müssen unseres Erachtens weitere Untersuchungen folgen.

Im Bezug auf den Versorgungsgrad mit Hausärzten nehmen die Stadt Kempen und die Gemeinde Grefrath mit einem Wert von 117,3 % die Spitzenposition ein. Dies deckt sich auch mit der Hausärztedichte, da in der Gemeinde Grefrath die wenigsten Einwohner auf einen Hausarzt kommen. Das Angebot an Einrichtungen der Tagespflege von 119 Plätzen verteilt sich gleichmäßig über das Kreisgebiet, nur in Brüggen, Grefrath und Niederkrüchten fehlen Tagespflegeangebote. Darüber hinaus wurde die Kurzzeitpflegeeinrichtung in der Gemeinde Grefrath im Juni 2014 geschlossen. Bei der Betrachtung von Wohnungen mit Service im Kreis Viersen liegt Grefrath mit 6,6 Prozent der Wohnungen im Mittelfeld, während ambulant betreute Wohngemeinschaften, wie in vielen anderen Kommunen des Kreises, in Grefrath gar nicht vorhanden sind.

Hinsichtlich der Miete und Wohnkosten liegt Grefrath mit einer Kaltmiete von 5,83 Euro pro Quadratmeter unter dem Kreis- und NRW-Schnitt. Allerdings liegen nur 3 Kommunen über diesem Wert, während 5 Kommunen günstigere Kaltmieten anbieten.

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