Position Bündnis 90/Die Grünen Grefrath zur Sozialraumanalyse für den Bereich des Jugendamtes des Kreises Viersen

Die vom Kreis Viersen vorgelegte Sozialraumanalyse für den Bereich des Jugendamtes des Kreises Viersen 2013 beschreibt detailliert die Situation für Kinder und Jugendliche im Kreis Viersen. Für die Gemeinde Grefrath kann festgehalten werden, dass die mobile Jugendarbeit zu einem unverzichtbaren Element der offenen Kinder und Jugendarbeit geworden ist.

Als dramatisch stellt sich für uns Grüne in Grefrath insbesondere die hohe Zahl der arbeitslosen Jugendlichen dar. Hier ist Grefrath unangefochten mit 13,7 Prozent auf der Spitzenposition. Die niedrige Anzahl von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen sorgt nicht nur dafür, dass mobile Jugendliche wegziehen, an ihren Ausbildungs- oder Arbeitsort, sondern auch, dass den dringend benötigten jungen Familien das Fundament entzogen wird, sich in Grefrath niederzulassen. Die vorliegende Sozialraumanalyse legt den Schluss nah, dass die fehlenden beruflichen Perspektiven, die fehlende Attraktivität der Gemeinde für junge Familien und das Fehlen von Wohnraum für junge Menschen als Brandbeschleuniger des demographischen Wandels fungiert.

Für Familien sind Arbeitsmöglichkeiten, Freizeitangebote und Betreuungsmöglichkeiten die entscheidenden Standortfaktoren. Insbesondere im Bereich der formellen Freizeitangebote durch Vereine ist die Gemeinde Grefrath überdurchschnittlich ausgestattet. Für Kinder und Jugendliche sind besonders die Eishalle, Freibad und Hallenbad die attraktivsten Angebote. Aus unserer Sicht ist auch sehr erfreulich, dass die Kinder und Jugendlichen bei der Beschreibung ihrer Freizeitaktivitäten auf die ersten beiden Plätzen „Mit Freunden treffen“ und „Sport im Verein machen“ stellen. Da wir die reale Interaktion für äußerst wichtig erachten, erfreut uns dieses Ergebnis. Es fehlen jedoch weitestgehend kulturelle Angebote, bei denen es allerdings der entsprechenden Rahmenbedingungen bedarf. An dieser Stelle sei verwiesen auf die Niederschrift der letzten Jugendfragestunde vom 23.11.2011. Hier wurde von Seiten der Jugendlichen das mangelnde Angebot an Proberäumen beklagt.

Was den allgemeinen Stand geeigneter Räumlichkeiten für die Grefrather Jugendlichen betrifft, zeigt sich aus der Analyse, dass hier allgemein ein großes Defizit vorhanden ist. Die vor einiger Zeit angestrebte Lösung nach einer multifunktional nutzbaren Halle für die Jugendlichen erscheint, wegen der finanziellen Situation Grefraths, als unmöglich. Aus unserer Sicht ist aber der aktuelle Zustand unhaltbar und wir werden eindringlich dafür kämpfen, endlich in dieser Frage eine Lösung zu finden.

Darüber hinaus zeigt sich, dass der vorhandene ÖPNV die Mobilität der Jugendlichen insbesondere in den Abendstunden und am Wochenende einschränkt. Hier offenbart sich unseres Erachtens eine weitere Dimension sozialer Ungleichheit, die nicht zu unterschätzen ist. Jugendliche, bei denen die Eltern über einen oder mehr PKW verfügen, können die Mobilität erhöhen, während Jugendliche aus sozial schwachen Familien auf die beschränkten Angebote des ÖPNV angewiesen sind.

In der Sozialraumanalyse wird darüber hinaus kritisiert, dass es keine spezifische Beratungsstelle in der Gemeinde Grefrath gibt. Betroffene müssen sich an Stellen in Kempen oder Viersen wenden. An dieser Stelle sei hingewiesen auf den bereits im Jahre 2012 von Bündnis 90/Die Grünen Grefrath gestellten Antrag zur Einrichtung einer Sozialberatungsstelle (19.03.2012). Dieser Antrag wurde auch auf Nachfrage vom 18.04.2013 bisher weder im JUSOSE Ausschuss, als auch im Rat behandelt.

Beängstigend ist sowohl für die Grünen in Grefrath und auch für die Studienersteller die Tatsache, dass in Grefrath die Zahl der Kinder zwischen 7 und 14 Jahren, die in Bedarfsgemeinschaften leben, das dreifache des Kreisdurschnitts aufweißt. Aufgrund der in Studien beschriebenen negativen Effekte auf Bildungschancen und Vorbildfunktion der Eltern, halten wir es als Grüne in Grefrath für äußerst wichtig, vor Ort eine umfassende Lebenshilfe anbieten zu können (siehe Antrag Sozialberatungsstelle). Um gezielte Maßnahmen zur Unterstützung dieser Kinder einleiten zu können, schließen wir uns der Forderung an, eine Ausdifferenzierung nach Ortsteilen durchzuführen.

Fazit:

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass in Grefrath qualifizierte pädagogische Angebote nach wie vor von äußerster Wichtigkeit sind. Überlegungen hinsichtlich der demographischen Entwicklung sowie die weitere Ausrichtung als Sport- und Freizeitgemeinde, müssen in Grefrath gemeinschaftlich und fraktionsübergreifend debattiert werden. Ob ein neuer Kunstrasenplatz dann eventuell an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht, muss dabei ebenso diskutiert werden, wie die Frage nach Teilhabe und Chancengleichheit junger Menschen. Die Gemeinde Grefrath hat im Zuge dessen auch ihre Position als Wirtschaftsstandort auszubauen. Nicht nur aus monetären Gründen, sondern auch um für Fachkräfte attraktiv zu sein und ein Arbeits- und Ausbildungsplatzangebot für Jugendliche zu schaffen.

©2013je

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